December 1, 2004

Zero Tolerance Policy Finds New Applications

"Zero tolerance" became a catch-phrase in the last two decades for everything from drugs to school violence to child abuse. George Bush adopted the phrase after 9/11 for his own purposes and "zero tolerance for terrorism" was born. Since then, it has resonated with leaders around the world and been adopted by Israel, India and numeorus other countries battling alleged terrorists. Meanwhile, the U.S. passed the Patriot Act to put zero tolerance policies into effect, sometimes with chilling results on civil liberties.

Now Europe is confronting its own tolerance with Muslim populations, and trying to decide what zero tolerance will mean for its liberal societies and traditions. In the Netherlands, the recent murder of a Dutch filmmaker by an Islamic radical on the streets of Amersterdam has inspired some serious soul-searching in an otherwise liberal country. The questions easily spill over Dutch borders to neighboring Germany, with its large Turkish immigrant population and documented ties to several of the 9/11 hijackers.

This heightened concern in Germany is complicated by the memory of Holocost atrocities against ethnic groups, which the government, church, and population have tried to distance themselves from while preventing their recurrence.

As a result, zero tolerance has evolved a new meaning in the German press this month: "Zero Tolerance for the Enemies of Open Societies," the title of a recent editorial in the conservative weekly Die Welt am Sonntag (The World on Sunday). It goes on to call for a serious rethinking of Germany's tolerance of anti-immigrant actions by rightist radicals (translation from Davids Medienkritik):

An explosive mixture has come to exist here just as in Holland. Its ingredients are the same: sub-cultures of fanatic Islamites, fanatic right-wing extremists, and fanatic left-wing extremists. More than anything else it is the fact that a large number of young men in either society cannot see a future for themselves assures that extremism of all stripes can find numerous recruits. And our societies call that tolerance.

This attitude, developed under a cloak called exemplary tolerance, is in fact a mixture of well-meaning illusion, disinterest, conflict aversion and self-hatred...

It is high time that the enlightened societies, shaped by Christianity, become aware of the great value of their culture. There is a valuable European culture to guide us. Only by confidently understanding it can we become capable of consciously exercising and defending tolerance. Minorities must also accept Europe’s canons of values. At the same time the majority must credibly fight racism and prejudice in its own ranks. That the German majority is prepared to do this can be seen in its success in marginalizing both left-wing and right-wing radical parties and politicians.

It would seem that in their fear of the "other," (today Muslims, yesterday Jews?) Germans could move into an even more rigid stance of Christianity- which may only be a byword for racial purity, a phrase with frightening historic resonance. Cloaking this battle in the rhetoric of religion and "zero tolerance" may be a dangerous development in a world where words from Bush's mouth often become policy in other countries.

Die Welt am Sonntag (Germany) - Null Toleranz für die Feinde der offenen Gesellschaft

English translation (Davids Medienkritik)

Null Toleranz für die Feinde der offenen Gesellschaft
Leitartikel
von Otte, Romanus

In Holland brennen Moscheen, Koranschulen und Kirchen. Mehr als 20 religiös oder fremdenfeindlich motivierte Anschläge hat die Polizei seit dem Mord an dem Filmemacher und Islamkritiker Theo van Gogh vor knapp zwei Wochen gezählt. Ein fanatischer Moslem hatte van Gogh auf offener Straße massakriert. Künstler, Politiker und Menschenrechtler, die sich wie van Gogh kritisch zum Islam geäußert haben, leben nun unter Polizeischutz. Viele Moslems leben in Angst vor Racheakten fremdenfeindlicher Eiferer.


Die Niederländer erschrecken vor sich selbst. Wie konnte es zu diesem religiös motivierten Mord kommen? Woher kommt der Haß, den die Tat eines einzelnen Fanatikers ausbrechen ließ? Warum geschieht dies ausgerechnet in den Niederlanden, in einer Gesellschaft, die sich doch so selbstverständlich zu den tolerantesten und offensten der Welt zählt.


Ein Teil der Antwort lautet: gerade aus diesem Grund. In den Niederlanden hat eine selbstkritische Debatte über das Verständnis von Toleranz begonnen. Diese Debatte ist schmerzlich, aber sie ist überfällig - auch in Deutschland. Denn was bei unseren Nachbarn geschehen ist, ist auch hierzulande jederzeit möglich.


Auch bei uns hat sich ein explosives Gemisch zusammengebraut, dessen Zutaten die gleichen sind wie in den Niederlanden: Es gibt eine Subkultur fanatischer Islamisten, es gibt Subkulturen fanatischer Rechts- und Linksextremer. Vor allem die Tatsache, daß eine große Zahl junger Männer in der Gesellschaft keine Perspektive findet, verschafft Extremisten verschiedenster Couleur großen Zulauf. Die Gesellschaft schaut weg und nennt dies Toleranz.


Die Haltung, die sich unter dem Mantel vorgeblicher Toleranz entwickelt hat, ist in Wahrheit eine Melange aus wohlmeinender Illusion, Desinteresse, Konfliktscheu und Selbsthaß. Es gibt in Deutschland viele Bespiele gelungener Integration von Zuwanderern. Aber es gibt eben auch eine gefährliche Ghettobildung. Es gibt gerade in jüngster Zeit viele ermutigende Beispiele, wie Zuwanderung unsere Gesellschaft bereichert, in Wirtschaft, Kultur und im täglichen Miteinander. Aber es gibt eben auch die Parallelwelten jener Zuwanderer, die nicht integrationswillig sind. Und unter ihnen gibt es einen Kern jener, die unsere Werte und unsere Gesellschaft nicht nur ablehnen, sondern die bereit sind, diese Werte aktiv zu bekämpfen.


Die offene Gesellschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muß immer neu gewonnen und verteidigt werden. Damit sie bestehen kann, müssen drei Bedingungen erfüllt sein: Erstens muß die offene Gesellschaft sich ihrer selbst vergewissern. Sie muß also ihre Grundsätze und Werte bestimmen. Dazu gehört es, die Grenzen der Toleranz festzulegen, also klarzumachen, was hinzunehmen wir nicht bereit sind. Zweitens muß die offene Gesellschaft anerkennen, daß sie Feinde hat, und daß diese sich von den Rändern her breitmachen. Und drittens muß die offene Gesellschaft sich mit diesen Feinden auseinandersetzen, sie muß differenzieren und, wo nötig, auch wehrhaft sein.


Wir sind von einer toleranten zu einer gleichgültigen, in weiten Teilen permissiven Gesellschaft geworden: wir gestatten, wir akzeptieren, wir nehmen hin. Doch oft heißt das nichts anderes als: Wir schauen weg, wir machen uns etwas vor, wir weichen Konflikten aus. Wir bekennen uns zwar zur Toleranz. Doch wir höhlen sie aus, indem wir auch jene gewähren lassen, die uns unsere Liberalität austreiben wollen. Diese Toleranz entspringt einem Gefühl der Schwäche, sie ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht selbstbewußt.


Deutschland und Europa müssen sich daher ihres Wertekanons bewußt werden. Er wurzelt in der christlich-jüdischen Religion. Die kulturelle Großleistung Europas ist die Aufklärung. Ihre Errungenschaft ist ein liberales, tolerantes Christentum, dessen Werte auch nicht religiöse Europäer in aller Regel teilen. Zu diesen Werten gehören die Achtung jedes einzelnen Menschen, die Unantastbarkeit von Leben und Würde, die Gleichheit vor Gesetz und moralischem Urteil unabhängig von Geschlecht, Religion und Überzeugung sowie die Freiheit eines jedes Menschen, sein eigenes Glück zu suchen.


Es ist an der Zeit, daß sich die aufgeklärten, christlich geprägten Gesellschaften auf den hohen Wert dieser, ihrer Kultur besinnen. Es gibt eine europäische Leitkultur. Nur der selbstbewußte Umgang damit befähigt zu bewußter und wehrhafter Toleranz. Ihr Wertekanon muß auch von Minderheiten akzeptiert werden. Gleichzeitig muß die Mehrheitsgesellschaft glaubhaft Rassismus und Intoleranz in den eigenen Reihen bekämpfen. Daß sie dazu bereit ist, zeigt die bisher erfolgreiche Ausgrenzung radikaler Parteien und Politiker von links und rechts in der Bundesrepublik.


Gestern versammelten sich in der Nähe Berlins fast 1000 Neonazis an einem Soldatenfriedhof. Das ist nicht zu tolerieren. Gestern propagierten in Berlin fast 1000 Islamisten zum "Al-Quds-Tag" Haß gegen Israel. Das ist nicht zu tolerieren. Die Toleranz ist ein zu hohes Gut, als daß sie der Beliebigkeit oder den Feinden der offenen Gesellschaft geopfert werden dürfte. Gegen sie hilft nur: null Toleranz.


Artikel erschienen am 14. November 2004


© WAMS.de 1995 - 2004

Posted by Lauren Hertel at 12:07 PM

November 25, 2004

Anti-Americanism in Germany Twists Two Ways

Despite close cultural and economic links between German and the United States, anti-Americanism and U.S. bashing run rampant in Germany. Common refrains this election season were: every American is responsible if Bush wins, Bush supporters are ignorant and short-sighted, the country is going to hell in a handbasket and American voters are too stupid and ill-informed to stop it. (For articles and commentary on the trend see the excellent blog Davids Medienkritik.)

The drum-beating actually started during the first Gulf War. I could never get through a party in Berlin in those days without at least one person challenging me on our actions. These were educated, engaged people who were outraged by what they saw as American imperialism. They wanted to vent at me about Iraq (and even Vietnam!), not discuss the problem.

It grew wearisome, so I mounted a defense. “I’m happy to talk about the Gulf War, but let’s put it in context and start with WWI and WWII, and Germany’s role in both,” I would say, and the would-be combatant usually lost interest in the conversation.

Now this unidirectional criticism has reemerged during the 2004 election, while Germans have trouble brewing in their own back yard.

In the middle of the U.S. campaign battle this fall, something startling happened in Germany. Neo-Nazi and Communist parties made big gains in September in German state elections, while mainstream parties like the SPD and CDU lost votes. Commentators claim that voters, especially disgruntled eastern Germans, are fed up with attempted welfare reforms and feel that the nation is stagnating.

A Guardian article from that week (“Neo-Nazis set sights on disillusioned Germans”) showed how anti-Americanism can be twisted to fit any agenda, even that of the neo-Nazi NPD party that gained votes:

The NPD's virulent form of anti-Americanism, which condemns the wars in Vietnam, Iraq and Afghanistan, enables it to draw a parallel with the bombings of Hamburg and Berlin in 1943 and 1945, commemorate the martyrdom of the German people, and connect Germany's present travails with the tragic past. It is a novel approach, but one that pays off: last August no fewer than 7,000 people gathered at the NPD's summer festival at M¿cka, near the Polish border.

Bashing the United States stems, I believe, from a very understandable facet of human nature: the need for a scapegoat. Anti-Americanism is a convenient outlet for venting feelings of frustration and anger over global political change. Since Germans can’t vote here, it is easier to criticize Americans than to take a hard look at what’s happening inside their own country. Germany and its recent growing (re?)turn to a radical right agenda seems a perfect case study of this.

Davids Medienkritik, a blog that casts a critical eye on German media put it this way in a September 19th posting:

For the past year, the German media has dedicated an enormous amount of time to covering US politics and the upcoming presidential election. At the same time, that same media has under-reported troubling political changes going on right in their own collective backyard... With all of the concern and wringing of hands going on in the German media and the nation at large about the US elections, perhaps it is the US media that should be worried about the trend towards extremism manifesting itself more strongly with each passing day in German politics. The German media would also be well advised to pay greater attention to internal political affairs and the failings of Germany's leaders. Granted, it certainly wouldn't be as profitable as bashing George W. Bush and the United States, but it might save the nation from future election embarrassments.

And these embarrassments stem, in part, from American confusion and disbelief over the victory of these parties in Germany. Although coverage of the upset was light here because of the election, Der Spiegel hit the nail on the head when they wrote on September 20th that a victory of extreme right parties would confound Americans and make them less likely to want to visit or invest in Germany in the future.

Now that the election is over, and the consequences of the political choices of both countries are at hand, I would have expected a change in tone from German media. That has not happened. Instead, the leading organizations have simply moved on to stories on Arafat’s death and the Ukrainian election upset—as if the two elections never even happened.

Posted by Lauren Hertel at 1:34 PM

October 30, 2004

The day Americans tuned into foreign media...

In response to the low-brow Bild Zeitung’s endorsement of Bush on Wednesday, the country’s highest-brow paper, Die Zeit, has a reader forum on its site that asks if such an endorsement would endanger journalistic objectivity if given in a national election in Germany. (Note: In Europe, papers are often dominated by a political party, but do not specifically endorse individual candidates.)

A few of the recent responses:

2004-10-29 16:30:02 I doubt American voters are very interested in what the German Bild-Zeitung recommends. An American voter is most influenced by American media, although even only in a limited way. The best example of this is Michael Moore, who has had little influence on the election despite his popular book and newest film, Fahrenheit 9/11. Stefan Hennigfeld, Witten(Ruhr)

2004-10-29 15:50:44
I personally think it’s unadvisable to endorse a candidate, because reader opinion can be manipulated. The people probably assume that the opinion is widespread and don’t think about the benefits and problems of the election.
(no author)

2004-10-29 14:22:36
(Note: original entry in English) I vote for Bush. Well, the New York Times and the Washington Post told me not to, but I personally think the Bild Zeitung is more reliable.
Joe Cartwright

I assume Mr. Cartwright is being facetious. After all, someone who visits Die Zeit’s website, reads German, and is familiar with the NYT and Post probably doesn’t take the BZ seriously.

But he made me think—what would happen if more Americans were like Mr. Cartwright, and could participate in an online forum in another language? For that matter, what if more Americans used foreign media on a daily basis? As we’ve tried to show in this blog, they might have a very different opinion on the election.

And as we’re discovering, a lot of Americans already do—from immigrants who get their news from media in their native language, to college students who have studied abroad and are comfortable reading another language.


Die Zeit - "Wahlempfehlung" forum

Note: This is the first page of responses as of 10/30/2004, 13:23 Pacific Time.

2004-10-29 17:49:04
Naja, manche Zeitungen machen Reklame für Politiker, andere für Zahnpasta.
Was soll's .....


2004-10-29 16:30:42
So wie man Bild kennt, gibt es demnächst einen Bericht "10 Gründe, warum Bush nicht Präsident werden sollte". Das übliche Wischel-Waschel; etwas behaupten, und am Tag danach das Gegenteil ...


2004-10-29 16:30:02
Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, daß sich auch nur ein amerikanischer Wähler dafür interessieren wird, was ihm die deutsche Bild-Zeitung empfiehlt. Ein amerikanischer Wähler läßt sich allerhöchstens von amerikanischen Medien beeinflussen, doch auch das nur sehr beschränkt. Das beste Beispiel hierfür ist Michael Moore, der trotz des enormen Erfolges seiner Bücher sowie seines neuesten Filmes Fahrenheit 9/11, kaum Einfluß auf die Wahl haben wird. Wer Michael Moore sieht, wählt sowieso Kerry, wer Bush wählt, sieht sich Michael Moore nicht an.

Jede Redaktion kennt ihr Leserklientiel, auch die der Bild-Zeitung. Wer eine Zeitung liest, die empfiehlt, Bush zu wählen, der würde vermutlich auch ohne diese Empfehlung Bush wählen. Wer in Amerika wählen geht, es sind ja wirklich nicht die meisten, der ist so politisch, daß er sich von irgendwelchen Journalisten vorschreiben läßt, wen oder was er zu wählen hat.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Hennigfeld, Witten(Ruhr)


2004-10-29 15:50:44
Ich finde es persönlich nicht ratsam eine Wahlempfehlung auszusprechen, da so die Meinung der Leser in eine bestimmte Richtung manipuliert wird. Die Leute gehen dann möglicherweise davon aus, dass das die Meinung vieler ist und denken nicht objektiv über die Vor- und Nachteile der Wahl nach.
Andererseits sollte eine Zeitung auch die Möglichkeit haben eine Position zu beziehen, um auf einen Missstand hinzuweisen.


2004-10-29 14:46:43
Ja. Freilich nur, wenn Bild, Welt und Financial Times ausgeschlossen werden!
H. Boeger


2004-10-29 14:22:36
I vote for Bush. Well, the New York Times and the Washington Post
told me not to, but I personally think the Bild Zeitung is more reliable.

Joe Cartwright


2004-10-29 13:51:20
Grundsätzlich können Zeitungen Meinungen als Kommentare kenntlich gemacht äußern. Warum nicht auch die, dass die Leser Bush wählen sollen? Das ist dann die Meinung des Kommentators, also einer Einzelperson. Dass eine Zeitung (oder eine Rüstungsfirma oder ein Supermarkt) eine Wahlempfehlung abgibt, halte ich für semantischen Unfug. Dies sind alles Betriebe mit Angestellten, die sicherlich nicht einheitlich wählen würden.

Und was die "Bild"-Empfehlung betrifft: wer in Deutschland außer "Bild" zu lesen zu weiteren Wahrnehmungen in der Lage ist, wird die Empfehlung ignorieren; wer nicht, würde vermutlich sowieso Bush wählen. ;-)


2004-10-29 12:40:53
Presse, TV u. Internet sollen der Meinungsbildung und Information dienen. Damit ist - wie bei jedem Text - ein Hintergrund gegeben, der die Frage nach dem Autor, des Anlasses, der Absicht, der Art und Weise, wie der Text verfasst ist, dem Zeitpunkt u.ä. aufwirft. Unreflektierte Leser stellen sich solche Fragen nicht. Diese werden durch solch eine Wahlempfehlung stark in eine bestimmte Richtung manövriert. Reflektierten Lesern bereitet solch eine Manipulation Übelkeit, da traditionelle Werte der Demokratie wie freie Meinungsbildung mit Füßen getreten werden. Insgesamt ist dieses Verhalten nicht nur abzulehnen, sondern auch zu verurteilen.


2004-10-29 11:49:04
Eher kündige ich ein Abo, weil eine Zeitung den "falschen" Kandidaten empfiehlt, als dass ich nach einer Empfehlung wähle. Also, nur zu!

Ich wäre sehr daran interessiert, wie eine aufgeklärte Redaktion, nach einer sicher zu erwartenden hitzigen internen Debatte, sich klar für eine Seite positioniert. Die Argumente und vorallem die Art der Argumentation ausserhalb des Schutzschilds der "journalistischen Objektivität" würden einen immensen Gewinn für eine lebendige Demokratie in Deutschland bedeuten.

Hikiko Mori


2004-10-29 10:38:43
Wenn die Empfehlung als solche gekennzeichnet ist und nicht unterschwellig in "Berichten" transportiert wird - warum nicht?
Ich möchte dann allerdings gerne sehen, wer dort empfiehlt, um dann darüber nachzudenken, warum diese Journalisten und Redakteure als politische Ratgeber taugen sollen.
Frank Piron, Freiburg

Posted by Lauren Hertel at 1:20 PM

Popular German paper endorses Bush

We cover a lot of top international media in this blog, but sometimes something interesting percolates up from the bottom... literally.

On Wednesday, the low-brow but highly popular Bild Zeitung (biggest newspaper in Germany!) published an editorial endorsing Bush for president. The reasons?

1. Bush’s priorities are clear, especially on Islamic fundamentalism.

2. Bush has learned the lessons of history, in particular that force is the only answer against fanatics.

3. Under Bush, the USA will continue to bear the burden—military, financial, and casualties—in the “Holy War” against these fanatics.

4. In addition to the war on terror, Bush will do everything in his power to prevent further nuclear proliferation, especially in Iran and North Korea.

5. Bush has learned that America can beat every land militarily, but can’t bring peace anywhere alone. Therefore, he’ll be more interested in international help during a second term, while not allowing himself to be made dependent on the United Nations.

6. Bush knows that Europe and Germany don’t have the military capacity to contribute abroad, and therefore won’t ask. Kerry, on the other hand, will demand engagement—and further hurt German-American relations.

7. Under Bush, America will continue to be a reliable partner to Israel in its struggle for survival. That is particularly important for Germans.

8. The Republicans have always been more supportive of free trade as the Democrats. That’s true for Bush and Kerry, and that’s good for the export nation Germany.

9. Every new American government makes mistakes; Bush has already made his. Kerry, on the other hand, has never held a public office. He would be more poorly prepared than most Presidents before him.

10. With Bush, we know what to expect. With Kerry, nobody knows what he stands for and where he’ll lead America and the world.

Also: There was already one president that most Germans thought was a dumbbell.

His name: Ronald Reagan.

We have him to thank for the end of the Cold War and the German Reunification. There’s a good possibility that one day we’ll be thankful to George Bush, too.

This mixed bag of opinions may seem irrational, but the Bild Zeitung’s audience isn’t saavy to international politics. Good to know what the other half reads, especially abroad where opinions are being formed every day... by papers other than the New York Times.

Bild Zeitung (Germany) - Warum George W. Bush der bessere Präsident ist

Am 2. November hat Amerika die Wahl

Warum George W. Bush
der bessere Präsident ist

Eine Wahl-Empfehlung von HUGO MÜLLER-VOGG

Hugo Müller-Vogg

In sechs Tagen, am 2. November, hat Amerika die Wahl: George W. Bush oder John Kerry? Hier nennt BILD-Autor Hugo Müller-Vogg seine zehn Gründe, warum es für Deutschland, die Welt und Amerika besser wäre, wenn George W. Bush Präsident bleibt.

1. Bushs Prioritäten sind eindeutig. Er sieht den menschenverachtenden islamistischen Fundamentalismus, die mordwütigen Mullahs als die größte Gefahr für die westliche Welt.

2. Bush hat die Lektionen der Geschichte gelernt. Gegen gewaltbereite Fanatiker helfen keine guten Worte, da hilft nur militärische Stärke. Da gibt es bei ihm – anders als bei Kerry – kein Wackeln.

3. Unter Bush werden die USA als Supermacht weiterhin die Hauptlast in dem von den islamistischen Fanatikern einseitig erklärten „Heiligen Krieg“ tragen – militärisch, finanziell und auch beim Blutzoll.

4. Neben dem Kampf gegen den Terror und die Terroristen wird ein wiedergewählter Bush alles tun, um keine neuen atomaren Mächte entstehen zu lassen. Das gilt insbesondere mit Blick auf die nuklearen Ambitionen des Irans und Nordkoreas.

5. Bush hat gelernt, daß Amerika jedes Land militärisch besiegen, aber nicht im Alleingang befrieden kann.
Deshalb wird er in einer zweiten Amtszeit verstärkt auf internationale Zusammenarbeit setzen.
Aber er wird sich nicht davon abhängig machen, wie Syrien oder Libyen in der UNO abstimmen.

6. Bush weiß, daß Europa und Deutschland gar nicht über die militärischen Kapazitäten verfügen, um sich über ihre bisherigen Auslandseinsätze hinaus nennenswert zu engagieren. Deshalb wird er diesen Beitrag auch nicht einfordern. Kerry aber würde genau das tun – und die ohnehin beschädigten deutsch-amerikanischen Beziehungen weiter belasten.

7. Unter Bush wird Amerika ein verläßlicher Partner Israels bei dessen Überlebenskampf bleiben. Daran muß gerade uns Deutschen sehr gelegen sein.

8. Die Republikaner waren immer entschiedenere Befürworter eines freien Welthandels als die Demokraten. Das gilt auch für Bush im Vergleich zu Kerry. Und das ist gut für die Exportnation Deutschland.

9. Jede neue amerikanische Regierung macht Fehler; Bush hat seine schon gemacht. Kerry hingegen hat noch nie ein Regierungsamt bekleidet. Er wäre so schlecht vorbereitet wie wenige Präsidenten vor ihm.

10. Bei Bush wissen wir, was wir zu erwarten haben. Bei John Kerry weiß dagegen niemand, wofür er steht und wohin er Amerika – und die Welt – führen will.

Übrigens: Es gab schon einmal einen US-Präsidenten, den die meisten Deutschen für einen tumben Toren hielten.

Sein Name: Ronald Reagan.

Ihm verdanken wir das Ende des kalten Krieges und die Wiedervereinigung. Gut möglich, daß wir eines Tages auch George W. Bush dankbar sein werden.

Posted by Lauren Hertel at 12:53 PM

Excellent International Coverage from Tiny German Weekly

This week’s issue of Jungle World, titled “Battle for World Domination: The Hype over the US Election,” covers international interest in the US election in six articles better than any other source I’ve come across. The surprise is that Jungle World is a small (15,000 copies printed) leftist weekly paper out of Berlin that delivers non-conformist views on politics, economics and culture, aimed mostly at young people.

The lead article, by former Die Zeit writer Richard Herzinger, really shines when he says that the basic conflict between Americans and Europeans won’t be solved by either man. It lies deeper, namely in the different assessments of danger from terrorism and diverging geopolitical and economic interests. These divisions aren’t about the person in office or his politics, but rather about the increasing international competition between the two continents. In fact, although Europeans favor Kerry, his protectionist stance might actually make relations more difficult, Herzinger writes.

Further articles include:
-- an interview with Detlef Claussen, a professor at the University of Hannover, in which he says that anti-Americanism and Bush bashing from the left (the paper’s readership) is ridiculous. Americans take the vote seriously, he says, and the country’s deeds in the world include both good and bad.
-- an article from Belgrade that shows why Serbs are so fearful of a Kerry victory, with his seven-point plan to bring America back to Kosovo and resolve the situation as soon as possible (also pointing out that Bush’s Christian stance put him in the same league as Serbs).
-- an editorial that covers the British public’s hate of Bush, despite the official government stance as ally, and picks up on The Guardian’s idea of allowing non-US citizens to vote, since so many Americans don’t make use of their right and plenty of people around the world have an opinion.
-- an exploration of why Nigerians are predominantly pro-Bush, including oil money, corruption, and Bush’s gaffe in the last election that “Nigeria is an important continent”
-- an overview of both candidates plans with regard to the nations of the Caribbean, mainly Jamaica, Haiti, and Cuba.

Good coverage, from an unexpected source that I will continue to follow more closely.

Jungle World (Germany) – Battle for World Domination (Number 45, October 27, 2004)

Posted by Lauren Hertel at 12:23 PM

October 22, 2004

With nod and a wink, Germans hear about Votergasms

German readers of the Süddeutsche Zeitung’s web site were treated to an article today about Votergasm.org, where American voters can pledge to have hot sex with fellow voters on Election Day.

The idea, according to organizers, is to counteract two disturbing trends among young people age 18 to 25 in the United States: not voting and not having a lot of sex. Oh, and you can buy merchandise, too, as the somewhat skeptical German article pointed out near the end.

I guess American voters aren’t the only ones who need a little comic relief from the endless campaign stories.

US-Wahlkampf

Sex-Gelöbnis für die Wahlnacht

Die Organisation Votergasm bemüht sich auf ungewöhnliche Weise, die Wahlbeteiligung unter jungen Amerikanern zu erhöhen. Auf ihrer Internetseite ruft sie dazu auf, Wähler mit Sex am 2. November zu belohnen, Nicht-Wähler jedoch mit Beischlaf-Entzug zu bestrafen. Ihre Hoffnung: 250.000 Orgasmen. Oder wollen sie doch bloß T-Shirts verkaufen?

Von Markus C. Schulte v. Drach

Mit Hilfe von Sex-Versprechen bemüht sich eine Partei-unabhängige Initiative in den USA angeblich, die Wahlbeteiligung unter jungen Amerikanern zu erhöhen.

Auf ihrer Internetseite votergasm.org ruft sie dazu auf, Wähler mit einer gemeinsamen verbrachten Wahlnacht zu belohnen, Nicht-Wähler jedoch mit Beischlaf-Entzug zu bestrafen.

Bürger und Patrioten

Wer sich beteiligen will, muss auf der Homepage der Organisation ein Gelöbnis abgeben. Darin verpflichtet er oder sie sich, als „Bürger“ für die Woche nach der Wahl keinen Sex mit einem Nicht-Wähler zu haben.

Wer zu mehr bereit ist, verspricht als „Patriot“ Sex in der Wahlnacht – natürlich mit einem Wähler – und Nichtwähler-Verweigerung für eine Woche.

Noch weiter geht der „American Hero“: Der ist zum Sex mit einem Wähler bereit – und verspricht darüber hinaus, für die gesamte Amtsperiode des nächsten US-Präsidenten mit keinem Nicht-Wähler ins Bett zu gehen.

Das Gelöbnis, so die Forderung der Organisatoren, muss mit dem Einverständnis des Sex-Partners erfüllt werden, legal und selbstlos, sicher - und heiß. Alle Stellungen sind erlaubt, sowie jede Geschlechterkombination.

Wem der potentielle Beischlaf-Partner seine Stimme am 2. November gegeben hat, ist dabei unwesentlich – Hauptsache, er oder sie hat gewählt.

Ziel der Organisation sei es, zwei Trends in der amerikanischen Gesellschaft entgegenzuwirken, heißt es auf der Internetseite: niedriger Wahlbeteiligung und geringer sexueller Aktivität unter Amerikanern zwischen 18 und 25 Jahren.

Man wolle mehr junge Menschen in die Wahllokale locken sowie sicheren, einvernehmlichen Sex unterstützen, erklärte Sprecherin Michelle Collins dem britischen Sender BBC.

Bereits 30.000 Menschen haben seit dem 4. September angeblich bereits ein Gelöbnis abgegeben. Erst ein Drittel der anvisierten 100.000 wäre demnach erreicht. Ob es zu den von den Orgasminatoren – Entschuldigung – den Organisatoren ebenfalls erhofften 250.000 Orgasmen in der Wahlnacht kommt, bleibt demnach offen.

Auf der Seite der Bush-Anhänger gab es bereits Empörung, obwohl Votergasm auch potentielle Wähler des Amtsinhabers ansprechen will.

So forderte der bekannte rechte Radiomoderator Rush Limbaugh seine Hörer auf, die Seite zu besuchen und sie durch „Überlastung zu schließen“. Limbaugh empfahl Votergasm einen neuen Slogan: „Du wirst aufs Kreuz gelegt, wenn Du für Kerry stimmst.“

Wähl Kerry. Lass dich aufs Kreuz legen

Umgehend bedankte sich die Organisation bei Limbaugh für die Verbreitung ihrer Idee, dass junge Menschen in ganz Amerika in der Wahlnacht „heißen, schweißtreibenden Sex haben sollen“.

Den von Limbaugh vorgeschlagenen Slogan übernahm Votergasm für das Merchandising-Programm. Inzwischen kann man T-Shirts mit dem Slogan „Vote vor Kerry. Get Screwed“ (Wähl Kerry. Lass dich aufs Kreuz legen) bestellen. Unparteiisch wie die Initiative ist, können Republikaner jedoch auch die Bush-Version des Kleidungsstückes kaufen.

Anhand solcher T-Shirts, die über die Internet-Seite vertrieben werden, sollen sich jene, die das Gelöbnis abgegeben haben, am Wahltag erkennen und dann gemeinsam ins Bett steigen. Wie das genau gehen könnte, wird in einem Comic – in aller Deutlichkeit – beschrieben.

Beim Thema Merchandising wird mancher vielleicht misstrauisch.

Möglicherweise, so der naheliegende Verdacht, handelt es sich bei der ganzen Sache auch nur um einen Marketing-Gag. Schließlich kostet so ein Hemdchen 18.99$.

Schwer nachzuvollziehen ist auch der Zweck der so genannten „Pictorals“. Soll es erotisch sein? Handelt es sich um Satire? Eigentlich sind die Fotostrecken doch einfach nur albern!

Eines jedenfalls ist sicher: Aufsehen hat Votergasm.org erregt.

Posted by Lauren Hertel at 10:27 PM

October 19, 2004

Online Forums show changes in nutshell

If you want to see how Germans' views of the U.S. have changed in the past three years, just read the online forums of Der Spiegel.

1. USA: Hyperpower without scruples
In 1999, anger over U.S. human rights abuses, as claimed by Amnesty International, garnered 679 entries. Many were outraged that the U.S. would criticize and punish countless other countries before cleaning up its own act.

2. Terror against the USA
The aftermath of September 11th brought in over ten thousand entries in answer to the questions: How should the USA react to the attacks of September 11th and how will Germans' lives change as a result of the attacks? Astute, considering the postings started just three days afterwards.

3. Relations—Making good with the USA?
Just two years later, U.S.-German relations were in a shambles over Iraq. After a meeting between Bush and Gerhard Schroeder in New York, questions about whether U.S.-German relations might improve started to circulate. "What will the future relation of the USA be to Europe, and what should Germany’s role be?" only got 154 responses.

4. Iraq—Threating the USA with a second Vietnam?
Far more hotly debated was the question of whether the escalating violence in Iraq could still be stopped by UN intervention. Over eight thousand entries came in during 2003 and 2004 about conditions necessary for a positive outcome for all parties in the conflict.

5. John Kerry—Does he have a chance against Bush?
By comparison, Germans are only moderately interested in the upcoming U.S. election, judging by the lukewarm 1128 entries from March 2004 to the present on the question of Kerry versus Bush.

During the same period, forums about the Middle East peace process, Turkey's application to join the European Union, and proposed changes to German spelling rules got more traffic.

All Forums available at Spiegel.de:Foren:Politik.

John Kerry – Hat er Chancen gegen Bush?
Die Vorwahlen nahm der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry überzeugend. Jetzt ist er nominiert und tritt gegen den Amtsinhaber, US-Präsident George W. Bush, an. Wie stehen die Chancen von Kerry? Werden seine Ankündigungen in Sachen Außen-, Innen- und Wirtschaftspolitik eine Mehrheit in den USA gewinnen? Oder wird Bush als entschlossener Macher triumphieren? Welche Themen könnten den langen Wahlkampf entscheiden?

Irak - Droht den USA ein zweites Vietnam?
Nach dem Krieg begann der Krieg: Mit Nadelstich-Taktik und klassischen Guerilla-Angriffen setzen ehemalige Kriegsgegner und Terroristen die US-Truppen im Irak unter Druck. Immer mehr Tote US-Soldaten und immer weniger Sicherheit im Irak rücken den Neubeginn in weite Ferne. Droht den USA nun ein "zweites Vietnam" oder kann die Spirale der Nachkriegsgewalt noch gestoppt werden? Könnte die Gewalt unter Uno-Mandat bald gestoppt werden, oder hat ein neuer Irak-Krieg längst begonnen? Unter welchen Bedingungen ist ein positives Ende für alle Beteiligten denkbar?

Beziehungen - Wieder alles klar mit den USA?
Das Treffen zwischen George W. Bush und Gerhard Schröder in New York scheint den Streit zwischen Washington und Berlin beigelegt zu haben. Wird aus der Begegnung ein weiteres fruchtbares Kapitel der deutsch-amerikanischen Beziehungen oder sind die Risse in der Beziehung eher nur gekittet? Wie wird sich das künftige Verhältnis der USA zu Europa gestalten, und welche Rolle sollte Deutschland spielen?

Terror gegen die USA
Werner Theurich - 10:45am Sep 14, 2001 CEST
Entsetzen, Trauer und Furcht vor weiterer Eskalation bestimmen die Reaktionen auf die Anschläge von New York und Washington. Wie sollen die USA reagieren? Gibt es eine Chance gegen diese neue Qualität der internationalen Terrors? Wie viel Schutz kann es geben, wie wird sich unser Leben ändern?

USA: Hypermacht ohne Skrupel
Lorenz Lorenz-Meyer - 04:04pm Mar 8, 1999 CEST
Deutsche Staatsbürger werden hingerichtet, ein US-Todesflieger wird freigesprochen: Mit der Arroganz einer "Hypermacht" setzt sich Washington über Proteste seiner Verbündeten hinweg. Der Bannerträger der freien Welt verletzt Rechtsabkommen, verteilt aber Zensuren für korrektes politisches Verhalten. Eine Kampagne von Amnesty International geißelt Menschenrechtsverletzungen in den USA.

Posted by Lauren Hertel at 4:38 PM

October 18, 2004

What if Kerry wins? is asked for first time

In a reversal of Bush-bashing rhetoric, Berlin’s newspaper Das Tagesspiegel decided to ask a new question today: Can we really expect better from Kerry? This is quite new in a country where, before the debates, nobody was even talking about the possiblity of a Kerry victory.

To find out what might happen, the paper interviewed Christoph Bertram, Director of the German Stiftung Wissenschaft und Politik, an independent scientific establishment that advises the federal government on foreign and security policy issues.

He says that Kerry offers new opportunities to rebuild the damaged U.S.-European relationship. That might or might not mean sending German troops to Iraq, but should definitely include German leadership, on behalf of Europe, in approaching the new U.S. government directly after the election.

Even if Bush wins, Bertram says, Germany must rebuild relations—because the U.S. now knows it cannot continue to go it alone in Iraq.

“Germany should not miss it’s chance” to be heard on the issue, he said, regardless of who wins.

In print version on October 18, 2004

Ressort: Fragen des Tages

„Deutschland sollte seine Chance nicht verpassen“

Viele Deutsche wünschen sich, dass George W. Bush die Wahl verliert. Hätten wir denn von John F. Kerry tatsächlich Besseres zu erwarten?

Die Deutschen können von beiden eine Veränderung des Tons erwarten. Auch der jetzige Präsident hat erfahren müssen, dass er Verbündete braucht und dass es keinen Sinn hat, diese vor den Kopf zu stoßen, wenn man sie um Hilfe bitten muss.

Bush wäre in der zweiten Amtsperiode ein anderer Präsident als in der ersten?

Richtig. „Bush zwei“ wird ein Präsident sein, der die Grenzen der amerikanischen Macht erfahren hat und sich auf die Realitäten einstellt. „Bush eins“ glaubte, mit der amerikanischen Macht diese Realitäten von Grund auf verändern zu können.

Wäre John Kerry für die rot-grüne Außenpolitik einfacher zu handhaben?

Nur was die persönlichen Beziehungen angeht. Die Regierung Bush hat ein langes Gedächtnis, die persönlichen Verbitterungen sind nicht ganz überwunden. Ein herzliches Verhältnis wird da nicht wieder entstehen. Dagegen wäre dies mit einem Präsidenten Kerry möglich. Allerdings würde Kerry mit sehr viel größerer Unbefangenheit die Verbündeten zur Unterstützung bei der Lösung der Probleme einfordern, die er von Bush geerbt hat – im Irak und anderswo. Kerry wird das wiederholen, was er im Wahlkampf sagt: Wir haben im Irak ein gemeinsames Problem, das müssen wir gemeinsam anpacken.

Das heißt praktisch?

Er wird mehr Forderungen an die Verbündeten und auch an die Deutschen stellen: „Wenn Ihr Multilateralismus wollt, und Ihr Deutschen habt das immer verlangt, bin ich dazu bereit. Aber Ihr müsst dafür auch eigene Beiträge einbringen.“

Die Bundesregierung schließt einen Einsatz deutscher Soldaten im Irak aus. Wird dieses Tabu getestet, wenn Kerry gewinnt?

Es wird vor allem durch die Entwicklung im Irak getestet. Die weitere Stabilisierung hängt entscheidend davon ab, ob es zu den Wahlen kommt, die für den Januar geplant sind. Dafür müssen die Vereinten Nationen die Voraussetzungen schaffen. Sollte die Gefahr sich verdichten, dass der Irakkonflikt die Region insgesamt destabilisiert, kann ein Deutschland, das einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat fordert, der Frage nicht ausweichen, was von ihm zu leisten ist. Eine aktivere deutsche Rolle, einschließlich der Entsendung deutscher Truppen, sollte nicht davon abhängen, ob ein US-Präsident sie einfordert, sondern ob sie nach unserer eigenen Einschätzung der Lage zum Schutz unserer Interessen notwendig wird. Das kann niemand ausschließen.

Wie stark würde sich unter Kerry die US-Außenpolitik ändern?

Für das von Bush ramponierte Ansehen Amerikas wäre er eine große Entlastung, einer, der durch die Einbeziehung anderer führen will, nicht durch barsche Befehle. Allerdings würde es auf vielen Politikfeldern bei der bisherigen Politik bleiben. Wenn Amerika sich gefährdet sieht, wird auch ein Präsident Kerry tun, was er im Interesse seines Landes für nötig hält und dabei wenig Rücksicht auf Verbündete nehmen.

Bietet die Wahl eine Chance, das Verhältnis zu Amerika zu verbessern?

Unabhängig davon, wer gewinnt: Die Wahl eröffnet den Europäern eine ungewöhnliche Chance – ungefähr zwischen Anfang November und Weihnachten. Hier sollten die Europäer in einer möglichst gemeinsamen Erklärung dem neuen Präsidenten ihre Unterstützung für ein enges atlantisches Verhältnis bekunden und zugleich die Einberufung einer hochrangigen Kommission über die Zukunft der Nato vorschlagen, ähnlich der, die Kofi Annan zur Zukunft der UN eingesetzt hat. Warum die Nato? Ganz einfach: sie stellt das einzige multilaterale Gremium der transatlantischen Beziehungen dar, in das die USA eingebunden sind.

Die Bundesregierung war Washingtons härtester Gegenspieler – welche Rolle sollte Berlin bei diesem Vorschlag spielen?

Gerade wegen ihrer Einstellung zum Irakkrieg ist die Bundesregierung in einer einzigartigen Position, um Europa zu einer Initiative für einen transatlantischen Neuanfang zu bewegen. Weder Tony Blair noch Silvio Berlusconi haben dafür die Glaubwürdigkeit. Deutschland dagegen, das sich im Irakkrieg Amerika nicht angebiedert hat, kann die anderen Europäer mitnehmen bei dem Bemühen, das Verhältnis zu Washington nach der Präsidentenwahl wieder auf eine festere Grundlage zu stellen. Es sollte diese Chance nicht verpassen.

Christoph Bertram ist Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Das Gespräch führte Hans Monath.

Posted by Lauren Hertel at 3:44 PM

October 13, 2004

Making sense of minorities

Europeans are often baffled by the complexity of the American melting pot, fascinated by how it works in practice and concerned about how it plays out in politics. Die Welt took a stab at explaining how minorities might affect the election in an article today, but left this American more than a little baffled as a result.

In an article titled "What influence do Blacks, the arms lobby, and Latinos have on the battle between President Bush and John Kerry?", the author focussed on women, soldiers, Asian Pacific Islanders, and young people. Huh?

When I think of minorities, I think of ethnic or racial ones. While the groups chosen by Die Welt are certainly of interest to the candidates, for me they blur the lines of what is considered a minority here. Gender, job, ethnicity, age-- I think this approach confuses more than enlightens Germans who are trying to understand how our system works for underrepresented voices.

And what happened to the groups in the title? Blacks, Latinos and warmongers are minorities worth discussing, but somehow never appear in the article. Very confusing...

Die Minderheiten könnten das Wahlergebnis bestimmen

Welchen Einfluß haben die Schwarzen, die Waffenlobby, die Latinos auf den Kampf zwischen Präsident Bush und John Kerry?

von Uwe Schmitt


Washington -  Wie werden Amerikas Minderheiten am 2. November wählen? Darum soll es auf dieser Seite gehen. Unsere Auswahl ist willkürlich. Schon seit einiger Zeit sind die Begriffe Mehrheit/Minderheit in Bewegung, seit bei den Präsidentschaftswahlen 2000 Al Gore mit einem Vorsprung von 543 895 Stimmen der Amerikaner unterlag, während George W. Bush mit 271 zu 266 Stimmen der Wahlmänner obsiegte.


Eine winzige Minderheit, die neun Stimmen des Obersten Bundesgerichts, entschieden mit ihrem Spruch zu dem Ergebnis in Florida die Wahl. Man könnte hier also auch die Richter vorstellen oder die Frauen, Amerikas einflußreichste unterrepräsentierte "Minorität", die mit 51 Prozent der Bevölkerung die Mehrheit stellt. Demokratische Klientel, hieß es immer; Frauen stimmten mit 54 gegen 43 Prozent für Al Gore. John Kerry wurde vor kurzem von einer Umfrage aufgeschreckt, die Bush einen Vorsprung von 48 zu 43 Prozent einräumt. Man vermutet, daß auch liberal gesinnte Frauen nach dem 11. September (jüngst verstärkt von den Bildern der ermordeten Schulkinder in Rußland) in George W. Bush einen starken Mann suchen. Er umwirbt sie mit dem Motto "W stands for Women" und dem Verweis auf die Befreiung der afghanischen Frauen. Kerry charmiert unterdessen mit Auftritten in Talkshows und bindet einige "military moms" (die um Söhne im Irak bangenden Mütter) und die Witwen des 11. September 2001 an sich.


Man könnte auch die Opferverbände von "9/11" porträtieren, deren lobbyistische Macht im krassen Mißverhältnis zu ihrer Zahl steht. Weder im Weißen Haus noch im Kongreß will man den (untereinander durchaus nicht einigen) Witwen, Waisen, Familien der 3000 Helden offen etwas abschlagen. Eine weitgehend schweigsame Minorität sind die 1,4 Millionen Soldaten. Eine Studie der "Military Times" kam im Dezember 2003 zu dem Ergebnis, daß 56 Prozent sich als Republikaner bezeichnen; im Offizierskorps, etwa ein Achtel der Truppen, kamen neun Republikaner auf einen Demokraten. Was nicht heißt, daß Kerry leer ausgeht. Es gibt im Irak eine Menge Unzufriedenheit und Zweifel in der Truppe; Kopien von "Fahrenheit 9/11" machen die Runde. Bis zum 11. Oktober mußten Hunderttausende Soldaten in Übersee und 3,7 Millionen im Ausland lebende Amerikaner per Briefwahl abgestimmt haben.


Wie steht es mit den Asian Pacific Americans? Eine Minderheit, die in 15 Bundesstaaten eine fühlbare Rolle spielen könnte. In Kalifornien stellen sie fast zehn Prozent der Wahlberechtigten. Aber Vietnamesen, Koreaner, Japaner, Chinesen, Laoten, Hawaianer sind ethnisch und kulturell zu heterogen, um eine "asian agenda" zu organisieren. Was sie teilen, Fleiß, eher konservative Sittsamkeit, Bildungsbeflissenheit, befördert den amerikanischen Traum und schwächt ihre Kampfkraft als Lobby. Und wie wäre es mit den Jungen zwischen 18 und 24 Jahren, die vor vier Jahren nur zu 28,6 Prozent wählten. Damals hielten sich ihre Stimmen für Gore oder Bush fast die Waage. Auch aktuelle Umfragen zeigen keinen klaren Favoriten. Experten setzten auf die Mobilisierung durch das Internet und sagen eine höhere Beteiligung der Jungen voraus. Ratlosigkeit stiftet die mächtigste Minorität. Sie stellte im Jahr 2000 mit 48,3 Prozent der Wahlberechtigten alle anderen durch Selbstverleugnung in den Schatten - die Nichtwähler.


Artikel erschienen am Mi, 13. Oktober 2004

Posted by Lauren Hertel at 8:42 AM

October 2, 2004

Iraq-Mexico comparison comes under fire... from Germany?

Since Germany was one of the only other “evil” powers the U.S. has gone to war against in its history, it’s worth listening in on what their media have to say about Iraq.

One place to do that is David’s Medienkritik, an excellent English-language blog on the German media’s coverage of the U.S. election. Although the blog’s mission is to criticize shoddy German media coverage of politics, the postings often offer interesting and thoughful perspectives on media coverage in general.

Just one example: today's posting analyzing Kerry’s comparison during the first presidential debate of Iraq today and Mexico in 1941. The conclusion: it’s bogus and an insult to Mexico and Mexicans everywhere.

“What other nation of that period then, murdered, tortured, suppressed and imprisoned the innocent? What other nation was ruled by a militant, National-Socialist tyrant? What other nation grabbed land and invaded her neighbors? What other nation sought to build long-range missiles and an atomic bomb? What other nation had repeatedly violated arms agreements while the world looked on? It wasn’t Mexico: It was Germany.”

Interesting point. I wonder what the Japanese and Mexican press are saying about the comparison...

Davids Medienkritik - Did Franklin Roosevelt Take His Eye off the Ball?

Posted by Lauren Hertel at 12:47 PM

September 28, 2004

A Civics Lesson for Germans

What do you do if you’re interested in U.S. politics, but didn’t have the (dubious) benefit of a high school civics class? If you read German, you can check out Der Spiegel’s “Background” section, part of the magazine's U.S. election coverage.

It’s generally good, but there are a few curiosities that might cause confusion among American readers:

1. The Republicans are the party of Lincoln and Watergate, while the Democrats are associated with social programs and the Kennedys. Watergate doesn’t come up much in national presidential elections these days, but then neither does Monica Lewinsky.
2. The President is a kind of replacement monarch, who the founding fathers modeled on the English monarch of the 18th century but in a republican framework. Really? The basis for this assertion are the numerous over-the-top formal events staged at the White House every year.
3. Television plays a particularly big role in convincing voters. TV-spots try to reach voters across the country. Except in this election, that is.

What’s missing? For one, the judicial branch isn’t mentioned. Odd considering that the last election was decided by the U.S. Supreme Court. There’s also no mention of the President’s role as Commander of U.S. forces or limits on this power through the purse strings of Congress. But it's a start.

Der Spiegel (Germany) -- Amerika waehlt: Hintergrund

Posted by Lauren Hertel at 12:24 PM

September 21, 2004

It's terrorism, stupid!

In Germany this week, national media continued to attempt to explain to readers why national security may be more important to U.S. voters than the quagmire in Iraq.

The conservative paper “Die Welt” focused on Kerry speech's at New York University, in which he offered a plan to bring peace to Iraq. The lead was: “Just six weeks before the election, U.S. President George W. Bush is coming under increasing pressure because of the dramatic situation in Iraq. After leading Republicans accused the President of “incompetence,” his opponent John Kerry also went on the offensive.” While that “increasing pressure” looks weaker from this side of the Atlantic, most Germans seem to see it as the most important issue in the election. On a lighter note, the paper ran the results of a New York Times study showing that American voters don’t vote for politicians with facial hair. Perhaps they are hedging their bets in case Bush wins—it was the grooming, not the war!
Kerry speech at NYU (German)
Presidential facial hair (German)
Presidential facial hair (New York Times)

Meanwhile, the weekly magazine “Der Spiegel” carried a column entitled “It’s terrorism, stupid!”. Part of a weekly series that analyzes Bush’s chances for reelection, Georg Mascolo wrote from Washington that the Bush camp’s rhetoric around 9/11 and continuing national security issues could undermine Kerry’s bid for the presidency. He focused in particular on Cheney, saying the best way to understand how Bush plans to win reelection is to listen to his hardliner Vice President. To try and explain to Germans, 49% of whom think the U.S. is overreacting to terrorism according to a March Pew report, Mascolo didn’t mince words: “[Cheney] could also just say: Elect Kerry and you will all die.”
"It's Terrorism, Stupid!"
Pew report

Posted by Lauren Hertel at 4:16 PM